Kurz:
Hier werden die Beiträge des Buchs “WertZeichen setzen!” veröffentlicht und diskutiert.

Etwas länger:
Auf wertzeichen-bloggen.de wird gespiegelt, was die über 40 Kommunikationsexperten der verschiedensten Fachrichtungen in das Buch “WertZeichen setzen!” hineingeschrieben haben. Anschliessend sollen die Thesen und Beiträge diskutiert werden. Einzelne Autoren und auch die Herausgeber werden sich an der Diskussion beteiligen. Der Sinn dieser Aktion liegt auch darin, die Lehren des Buchs – etwa, was Kommunikation im Internet betrifft – selbst zu beherzigen. Denn, so Thomas Voigt, Leiter Unternehmenskommunikation der Otto Group, “Social Media ist heute eine der bedeutendsten Informations-, Orientierungs- und Entscheidungsquellen für die Menschen” (Seite 117). Und diese Mischung aus digital abgebildetem Buch und Blog soll die Diskussion über den Inhalt in der Social-Media-Landschaft ermöglichen.

Sehr lang (Vorwort des Buchs von Stefan Endrös):
Neues Spiel, neues Glück
Was uns erwartet

„Wer ist Herr der Kommunikation, wer ist ihr Diener, wer beherrscht und nutzt am schnellsten die ständigen Veränderungen? Wer spielt mit? Wer wird zum neuen Spielführer – und vor allem: Wohin führen die Spielzüge?“ Stellt Euch vor: Ihr redet und redet und redet und keiner versteht Euch. Ihr erzählt spannende Geschichten und niemand verspürt das geringste Prickeln. Ihr kreiert faszinierende Werbung – und die Faszination kommt blass und ohne jegliche Ausstrahlung rüber. Originelle Medien versuchen den ultimativ neuen, innovativen Ansatz der Zukunft und niemand merkt es.

Stellt Euch vor: Ihr kommuniziert und wisst nicht, ob Ihr im Krieg oder im Frieden sprecht. Ob es auf das Karma ankommt oder auf macchiavellistische Machtdemonstrationen, auf taktisch-strategische Winkelzüge im Stil des preußischen Generals von Clausewitz oder auf esoterische Gruppentherapiemethoden mit hohem sozialen Charakter. Stellt Euch vor: Kommunikation macht einsam, weil der Gesprächspartner ganz andere Sprachen spricht. Oder womöglich keine mehr?

Vor diesem Szenario will sich dieses Buch Gedanken machen beziehungsweise Gedanken anregen. Denn im­mer mehr Leute arbeiten, wirken in der Kommunikation, haben sogenannte kommunikative Berufe, die angeblich ganz oben stehen auf der Beliebtheitsliste von Berufswün­schen und Traumjobs. Kein Handwerk mehr, sondern ein Zungenwerk, ein modernes Mundwerk. Und noch viel mehr Menschen, unausweichlich und fast überall, sind Konsumenten, sozusagen Betroffene von Kommunikation.

Wenn Worte wertlos werden

Aber was ist das eigentlich, diese Kommunikation? Was hat das mit Medien, mit PR, Marketing und Werbung zu tun, und was soll das sein – der Wert von Kommunikation – Wert-Zeichen in diesem Umfeld? Einst waren es Rauchzeichen der Ureinwohner, Felsenmalerei und fremdartige Laute der Primaten. Später haben Philosophen den Akt des Sprechens zu definieren versucht – als Austausch zwischen Menschen und dem göttlichen Sein. Oder ist es doch nur der einfache, irdische Austausch von Informationen zwischen zwei Menschen? Zu „Kommunikation“ heißt es bei Wikipedia, es stamme von dem lateinischen „communicare” und bedeute„teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen”. Der Begriff werde seit den 1940er-Jahren aber auch verwendet, um Fragestellungen und Modelle bei der Signalübertragung von technischen Geräten wie Telefonen oder Computern zu beschreiben. Im Zeitalter der Kommunikationsindustrialisierung wandelte sich die Kommunikation zu einem Massenphänomen – und das Sprechen wurde zu einem Ereignis der (Massen-)Medien – den Kommunikationsmitteln. Aus dem einfachen Gespräch entwickelte sich eine Botschaft via Medien für bestimmte Zielgruppen und Communities. Aber je mehr dieser Zielgruppenbotschaften auf den Markt kamen, je größer die Flut an Informationen und Gesprächsbestand­teilen, je massenhafter die Sprechsituationen waren, umso stärker folgte die Frage nach deren Wert. Und deren Werthaltigkeit. Werte sind laut Definition „Tugenden, Haltungen und Qualität des Willens, die für menschliches Handeln vorgegeben und unverzichtbar sind“!

Stellt Euch vor, Medien wollen etwas vermitteln, und sie haben keinen Wert. Werbung schafft keine Wertung. Public Relation keine Beziehung zur Zielgruppe, weil die Worte fehlen oder die entscheidenden Rahmenfaktoren. Kommunikation – ist das eine Sprache, ein Traum­job ohne Zukunft, eine Lehre, die sich im Nirwana von neuen technischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Veränderungen vielleicht bald zunehmend selbst auflöst?

Ich benenne, also ist es

Dabei macht Kommunikation doch so viel Spaß. Sie ist ein Spiel der Worte, der Ideen und des Dialogs, ein Spiel mit oder ohne Regeln, mit raffinierten Spielzügen, taktischen Finessen und witzigen Spitzfindigkeiten, mit Leuten, die nichts verstehen, und anderen, die genau auf der gleichen Wellenlänge liegen. Sprache ist ein Spiel – und zugleich aber auch eine absolute Notwendigkeit: Für den Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein bedeuten die Grenzen der Sprache die Grenzen der Welt: Was man nicht sprechen kann, ist nicht. Wesentlicher geht es gar nicht! Und konsequentermaßen verlangt der französische Postmodern-Denker Jean-Francois Lyotard, dass deshalb die Sprache, die Sprechakte zwischen Sender, Referenten und Empfänger, also die vielfältigen, interessanten Sprachspiele der Kommunikation, im Lauf der Zeit immer neuer Überprüfung des Regelwerks bedürfen, der Spielvoraussetzungen und der beteiligten Spieler. Weil nur das ist, was gesagt wird. Von wem? Warum? Mit welchem Ziel?

Wer ist Herr der Kommunikation, wer ihr Diener, wer beherrscht und nutzt am schnellsten die kontinuierlichen Veränderungen? Wer spielt mit? Wer wird zum neuen Spielführer – und vor allem: Wohin führen die Spielzüge? Dies zu wissen, ist Pflicht. Doch auch das Wissen ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Wissen ist zwar Macht, heißt es. Aber wer hat das Wissen beziehungsweise wem will man das Wissen glauben? Deshalb stellt dieses Buch eine Art Kursbuch kommunikativer Ansätze dar, eine Ideensammlung von möglichen Wissensbesitzern, von Wissenden auf ihrem Gebiet und interessanten Impulsgebern. Ob sie die nötige Autorität und Glaubwürdigkeit besitzen, um das richtige Wissen für die Kommunikation der Zukunft zu bieten und zu vermitteln, muss jeder für sich entscheiden. Denn die Quellen für das Wissen, die Rahmenbedingungen und auch die Zielrichtung scheinen sich zu verlagern und zu verändern.

Auf die Plätze …

Oder verändern sie sich nicht, und es wechselt nur der kommunikative Schein, der Kanal beziehungsweise der Anzug? Vielleicht gibt es in diesem Urmeer an Inputs, Sprechblasen und Sprechspielern weiterhin einen Konsens über die Spielregeln, über das Innere, die Grundwerte der Kommunikation, auf die wir weder verzichten können noch wollen. Mit dem Buch WertZeichen setzen! wird das gesamte aktuelle Kommunikationsspielfeld aufgerollt – wie auch die Aufstellung aller möglichen Mitspieler. Wer ist welcher Spieler? In welcher Rolle, auf welcher Position? Dabei wird versucht, für jeden Kommunikator im Bereich von Medien, Marketing, Werbung und PR ein paar wichtige Anregungen zu schaffen.

Denn stellt Euch vor, Ihr spielt Kommunikation – und es klappt und hat Erfolg, ganz nach dem Motto: Neues Spiel, neues Glück.